loader

Geschichten schreiben sich weiter....

User Avatar

MJay SaA Mundo Perdido

Es ist kalt. Sein Hintern tut weh und irgendwie fühlt sich die Strecke zwischen Oldenburg und der Crawler City jedes Mal länger an.  Die anderen Jungs sind um diese Jahreszeit genauso müde wie alle Geschäfte, die zu erledigen sind. Er ist bestimmt schon fünf Stunden unterwegs... früher hätte man diese Strecke wohl in drei, vielleicht dreieinhalb Stunden bewältigen können. Auch wenn die meisten stehenden Autos nicht mehr mitten auf der Straße verweilen, sondern am Straßenrand, verwachsen von Unkraut und kleinen Bäumen vor sich hin rosten und gammeln, dauert die Fahrt doch um einiges länger als früher. Löcher in den Straßen, Tiere und alles was einem die Fahrt erschweren kann, fordern ihre Zeit.
Natürlich muss man immer wachsam sein, denn in letzter Zeit gibt es wieder vermehrte Aktivitäten von Banditengruppen und sonstigem Ungeziefer, aber im Allgemeinen ist viel Ruhe eingekehrt.
Mjay dachte sich die letzten Jahre bereits, dass im Sommer mehr geschossen wird als im Winter.  Allerdings ist die Ruhe von damals nicht mehr zu finden. Man findet zwar mehr Ruhe, wenn man nichts hören will und mehr Ruhe vor Menschen. Die Ruhe und Sicherheit irgendwo zu sitzen, ohne dass man das Gefühl hat eine Kugel einzufangen, die ist allerdings mit all den armen Seelen gestorben.  
Der Wind und die kleinen Flocken stechen wie Nadeln an jeder freien Stelle Haut in seinem Gesicht. 
Es ist unangenehm und er muss an Richi denken, welcher vermutlich wieder in seinem Pathfinder die Heizung an hat und seinem Arsch die Sitzheizung gönnt, welche er auch sicherlich verdient hat. 
Richi hat sich verändert, seit er mit ihm und Tex in der Crawler City agiert. 
Er ist nicht mehr Richard. Nein, Richard ist in der Zeit um Oktober einen schnellen Tod gestorben. Immer öfter erzählt Richi von Streit mit seiner Frau. Zwei Alphatiere sind eines zu viel. Allerdings müssen Richi noch zwei weitere Hoden wachsen, bevor er es mit seiner Frau aufnehmen kann. Früher war Richi sehr hörig, wenn seine Frau eine Meinung hatte. Mittlerweile reiben sie sehr oft aneinander, aber nicht im positiven Sinne. Mjay schmunzelte, als er daran dachte wie sauer Richis Frau war als sie die kleinen Fetzten davon mitbekam was sich in der Crawler zugetragen hatte. Richis Abenteuer... es könnte ein kleiner Roman werden oder einen Kurzfilm auf Pornhub. Fake Taxi...
Mjay lachte laut, bis ihm auffiel, dass er alleine war. Irgendwie war ihm das immer noch nicht egal. Die Zeiten in denen man komisch angeschaut wurde wenn man einfach mal los lachte waren zwar vorbei, doch irgendwie fühlt es sich noch immer komisch an alleine laut zu lachen. Er dachte an den Film Cast Away mit Tom Hanks. Vielleicht sollte er sich ein Gesicht auf sein Bike malen, dann ist es auch nicht mehr komisch Selbstgespräche zu führen oder alleine vor sich hin zu lachen. 
Richi war trotzdem noch ein guter Mensch, ja nicht so gut wie Richard, aber immer noch besser als die meisten die er kannte. Knapp drei Jahre, seit er ihn das erste Mal sah. In diesen Zeiten sind 3 Jahre mehr als 10 vor dem Virus. Man hat durch und wegen der Veränderung einfach zu viele Menschen verloren, da ist so eine Konstante schon viel wert. Das war es auch, was er am MC so liebte. Sicherheit und Konstanz, Regeln und Bruderschaft, das waren nur ein paar Sachen, die er am MC liebte. Richi war schon wesentlich länger im MC als Mjay aber irgendwie sehen sie sich als gleich an. Mittlerweile hat sich Richis Status im Club verändert. Er ist in die obere Liga aufgestiegen. Die Erfolge in der CC haben ihn innerhalb des Clubs einstimmig zum Secretary gemacht. Keine Frage, entspricht das auch seinem Naturell.  Es kommt nicht auf Jahre, sondern auf Taten an.
Nicht auf eine bestimmte Zeit, die vergehen muss, sondern auf dein Handeln und deine Loyalität. Loyalität, dachte Mjay, die ist wirklich viel wert. Schon immer musste man sich bei ihm irgendwie beweisen, um seine Loyalität und seinen Respekt zu verdienen.
Tex ist da irgendwie anders, offener irgendwie. Zumindest nach außen. Er kann gut mit Menschen und ist mehr Händler als Mjay es in seiner Zeit in der Crawler City je war. Mjay war stationär, hatte ein kleines Monopol und musste den Ball oft nur im Tor versenken. Die richtige Ware zur richtigen Zeit... Klar hatte er viel für sich und sogar die Crawler erreicht, er wollte sich nicht selber schlecht reden, aber was Tex machte war besser. 
Tex war nicht umsonst der Händler in einer Gruppe in der es eigentlich zwei Händler gab. Er war pfiffiger, empathischer und konnte mit Menschen, die er nicht mochte bessere Geschäfte machen als er selbst, dachte er.  Wenn jemand Mjay gegenüber trat den er nicht mochte oder einschätzen konnte, hat er ihn das spüren lassen, eigentlich tut er das heute noch.  
Tex ist da anders dachte Mjay. Er, im Gegensatz zu mir, hat ein Ziel und da ist ihm das Gegenüber egaler als es das mir je sein konnte, dachte er. Hat schon alles seine Richtigkeit. Mjays Position innerhalb des MC passte ohnehin viel besser zu ihm, als er es sich hätte vorstellen können.  
Thor hat das wohl damals schon gesehen, als er ihn Thiago vorschlug. Thiago wusste es wohl auch. MJay vermisste Thor. Er war sein Menthor und sein Bruder, nur leider viel zu kurz. Er hatte ihm alles zu verdanken und versuchte manchmal ein bisschen Thor zu sein. Mjay lachte wieder. Er musste daran denken, dass dieser heroische Thor mit eigentlichem Namen Helmut hieß. Seinen Nachnamen hat er nie erfragt, aber wahrscheinlich etwas das genauso altbacken war. Thor klang da schon viel besser. Er dachte über die Zeiten nach als dieser Hänfling Stress machte und Thor ihn mit einem Bud Spencer Hammer ausnockte. Einfach so in den Boden gestampft.  
Mittlerweile war Mjay in seiner Position und gab sein Wissen weiter und entschied über dies und das. Am Ende war er aber immer froh, wenn andere Entscheidungen trugen. Nicht weil er Angst davor hatte, aber so konnte sein Kopf ab und an freier sein. 
Mittlerweile verbrachte Mjay viel Zeit mit Putin. Seit seiner Fight Night ist auch bei ihm viel passiert. 
Der Titel als Champion hatte ihm viele Lorbeeren gebracht. Mittlerweile sind Mjay und Putin fast eine kleine Einheit geworden. Er mochte ihn wirklich. Mjay kannte seinen Zwillingsbruder, das hatten sie bereits festgestellt. Damals als Händler hatte er das ein oder andere Geschäft mit ihm abgewickelt und einmal sind sie auch aneinandergeraten. Es ging damals um Preise und das Ganze wurde mit Vodka geklärt, daran erinnerte er sich noch. Charakterlich glich er seinem Zwillingsbruder irgendwie. Er ist wirklich jung gestorben, wie so viele. Mjay ist mittlerweile zu alt um jung zu sterben. Wie alt wird man denn jetzt so im Schnitt? Ist aber auch egal, Mjay dachte zu viel über die Toten nach. Die sind tot und bleiben es. Das Jetzt ist wichtiger und da spielen die Toten keine Rolle mehr..... Fortsetzung folgt.